{"id":1,"date":"2026-06-19T19:22:12","date_gmt":"2026-06-19T17:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/?p=1"},"modified":"2026-07-16T20:15:48","modified_gmt":"2026-07-16T18:15:48","slug":"me-cfs-forschende-im-kampf-gegen-stigmatisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/me-cfs-forschende-im-kampf-gegen-stigmatisierung\/","title":{"rendered":"ME\/CFS: Wie Forschende gegen Stigmatisierung k\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwere Ersch\u00f6pfung, Reizempfindlichkeit und teilweise auch absolute Bettl\u00e4gerigkeit: Die Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis\/\u201eChronisches Fatigue-Syndrom\u201c (ME\/CFS) \u00e4u\u00dfert sich durch schwer lebenseinschr\u00e4nkende Symptome. Betroffene k\u00e4mpfen neben den k\u00f6rperlichen Symptomen oft mit Vorurteilen in der Gesellschaft und im Medizinsystem. Um diese Stigmatisierung zu erforschen, hat die Versorgungswissenschaftlerin Christine Blome das Hamburger Forschungsprojekt StiMECO im Jahr 2024 ins Leben gerufen. Der Fokus des Projektes \u201eForschung der Stigmatisierung von ME\/CFS und Post-COVID\u201c liegt dabei darauf, wie sich die Stigmatisierung der Krankheit auf die Betroffenen in ihrer Lebensqualit\u00e4t und Selbstakzeptanz auswirkt. Au\u00dferdem werden die Qualit\u00e4t und die Kosten der Gesundheitsversorgung analysiert. Dazu werden unter der Leitung von Blome bundesweit Interviews mit Betroffenen gef\u00fchrt und ausgewertet. Durch diese Interviews wird die Stigmatisierung der Krankheit deutlich. \u201eWas sich da die Leute teilweise anh\u00f6ren m\u00fcssen an Aussagen, das ist echt schlimm.\u201c Blome berichtet von den Vorurteilen, denen Betroffene gegen\u00fcberstehen. \u201eWir sind aber \u00fcberhaupt nicht mehr \u00fcberrascht. Die meisten Betroffenen haben die Erfahrung gemacht, dass sie nicht ernst genommen werden.\u201c\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n<aside class=\"block-info-box block-info-box--purple block-info-box--has-photo block-info-box--photo-left\">\n            <figure class=\"block-info-box__photo\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/christine-blome-180x2402-1.jpg\"\n                 alt=\"\">\n        <\/figure>\n    \n    <div class=\"block-info-box__body\">\n                    <h3 class=\"block-info-box__title\">Priv.-Doz. Dr. phil. Christine Blome <\/h3>\n                            <p class=\"block-info-box__role\">Bild: HCHE, Claudia H\u00f6hne<\/p>\n                            <div class=\"block-info-box__text\">\n                <p>Leiterin des <span data-teams=\"true\">Forschungsprojektes<\/span> StiMECO. Die Versorgungswissenschaftlerin kam durch ihr <span data-teams=\"true\">pers\u00f6nliches<\/span> Umfeld in Kontakt mit der Thematik und erforscht nun die untypischen Versorgungs- und Krankheitsstrukturen von ME\/CFS.<\/p>\n            <\/div>\n            <\/div>\n<\/aside>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Leiterin der Forschung f\u00fchrt Blome selbst keine Interviews, sondern k\u00fcmmert sich um die Koordination des Projekts. Ihr pers\u00f6nliches Ziel ist es, mit der Forschung die \u201eschwammige Wirklichkeit greifbar zu machen, ohne sie zu verf\u00e4lschen.\u201c Auch nach den offiziellen Arbeitsstunden informiert sie sich weiter mit ME\/CFS. Bis zu der COVID-19-Pandemie hat auch die Forscherin kaum von ME\/CFS geh\u00f6rt. \u201eIch h\u00e4tte nie gedacht, dass es eine Krankheit gibt, in der die Leute so massiv unter- und fehlversorgt werden.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n<aside class=\"block-info-box block-info-box--purple\">\n    \n    <div class=\"block-info-box__body\">\n                    <h3 class=\"block-info-box__title\">Was ist ME\/CFS?<\/h3>\n                                    <div class=\"block-info-box__text\">\n                <p><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">Myalgische Enzephalomyelitis\/ chronisches Fatigue Syndrom &#8222;ME\/CFS&#8220; ist eine Erkrankung, die meist nach einer Virusinfektion, wie COVID-19 oder Pfeifferschem Dr\u00fcsenfiber, ausgel\u00f6st wird. Sie wird von der WHO als schwere neuroimm<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">u<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">nologische Erkrankung eingestuft, die oft zu einem hohen Grad <\/span><\/span><span class=\"TrackChangeTextInsertion TrackedChange SCXW89459720 BCX2\"><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">an <\/span><\/span><\/span><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkung<\/span><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">en<\/span><\/span><span class=\"TrackChangeTextInsertion TrackedChange SCXW89459720 BCX2\"><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"auto\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\"> f\u00fchrt. <\/span><\/span><\/span><span class=\"TrackChangeTextInsertion TrackedChange SCXW89459720 BCX2\"><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"none\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">Dazu z\u00e4hlen Symptome wie <\/span><\/span><\/span><span class=\"TextRun SCXW89459720 BCX2\" lang=\"DE-DE\" xml:lang=\"DE-DE\" data-contrast=\"none\"><span class=\"NormalTextRun SCXW89459720 BCX2\">pathologische Ersch\u00f6pfung oder kognitive St\u00f6rungen.<\/span><\/span><\/p>\n            <\/div>\n            <\/div>\n<\/aside>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Massive Unterversorgung und versp\u00e4tete Diagnosen\u00a0<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr ME\/CFS e.V. berichtet \u00fcber die Unterversorgung von ME\/CFS-Betroffenen. Laut des Berichts auf der Website hat sich die Zahl der Erkrankten seit der Pandemie auf vermutlich 500.000 verdoppelt. Trotzdem gibt es deutschlandweit, nach Angaben des Vereins, nur zwei Ambulanzen f\u00fcr ME\/CFS-Betroffene. Au\u00dferdem stocke die Versorgung aufgrund von Finanzierungsm\u00f6glichkeiten und der Forschung, die circa 40 Jahre im R\u00fcckstand stehe. Patient*innen w\u00fcrden zudem berichten, dass an Ambulanzen kein ausreichendes Wissen \u00fcber die Krankheit bestehe.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um dem teils fehlenden Wissen \u00fcber ME\/CFS im Bereich der Forschung entgegenzuwirken, arbeiten die Beteiligten des Projekts StiMECO des Universit\u00e4tsklinikums Hamburg-Eppendorf aktuell an BeFoMECO, einem Nebenprojekt, in dem ein Leitfaden f\u00fcr den Umgang mit Betroffenen zusammengestellt wird. Dieser Leitfaden orientiert sich an dem Ziel von StiMECO. Das Projekt m\u00f6chte mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Auswirkung von Stigmatisierung auf Betroffene erreichen und das Identifizieren der m\u00f6glichen Ursachen der Stigmatisierung erleichtern. Dazu analysieren sie den Grad der Stigmatisierung von Betroffenen. \u201eDie Krankheit wird psychologisiert\u201c, erz\u00e4hlt Christine Blome. \u201eDas Muster wiederholt sich immer wieder. Es ist ganz typisch, dass dann jemand erz\u00e4hlt, dass sie nicht ernst genommen wurde, dass es hei\u00dft, es ist nur eine Depression und sie m\u00fcsste einfach mal mehr Sport machen. Das ist noch ein harmloses Beispiel davon, was sich die Betroffenen da teilweise anh\u00f6ren m\u00fcssen.\u201c Stigmatisierung dieser Art wollen die Forscher*innen von StiMECO in der Zukunft mit dem Leitfaden minimieren.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blome berichtet, dass Teil des Leitfadens ist, wie sich Forscher*innen kleiden oder ihren Hintergrund gestalten, damit sie m\u00f6glichst keine Reiz\u00fcberflutung bei den Betroffenen ausl\u00f6sen. Diese Reiz\u00fcberflutung k\u00f6nnte eine heftige negative Reaktion des K\u00f6rpers ausl\u00f6sen. StiMECO stellt eine extrem hohe Stigmatisierung bei der Krankheit fest. Diese \u00e4u\u00dfert sich, indem ME\/CFS-Betroffene beispielsweise Falschdiagnosen bekommen. So diagnostizieren \u00c4rzt*innen bei den beschriebenen Symptomen h\u00e4ufig eher eine Depression. Manche Betroffene erz\u00e4hlten in den Gespr\u00e4chen des Projekts StiMECO, dass sie f\u00e4lschlicherweise mit Brustkrebs diagnostiziert wurden, obwohl sie ME\/CFS haben. Blome erkl\u00e4rt, dass viele Mediziner den Begriff \u201aChronisches Fatigue Syndrom\u2018 (CFS) lediglich als Symptom einer chronischen Ersch\u00f6pfung missverstehen, die sehr h\u00e4ufig als Folge einer Krebserkrankung auftritt. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr ME\/CFS stellte eine Liste an h\u00e4ufigen Missverst\u00e4ndnissen mit der Aufarbeitung durch aktuelle wissenschaftliche Evidenz auf, um den Fehlinformationen \u00fcber die Krankheit entgegenzuwirken. In einer Vorg\u00e4ngerstudie des Projekts fanden Forschende heraus, dass ME\/CFS-Betroffene teilweise erst nach Monaten oder Jahren die richtige Diagnose erhalten. ME\/CFS wird durch eine Virusinfektion, wie beispielweise COVID-19 oder Pfeiffersches Dr\u00fcsenfieber, ausgel\u00f6st. Missverst\u00e4ndnisse erstehen bei dem Unterschied zwischen Long COVID, Post COVID und ME\/CFS.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n<aside class=\"block-info-box block-info-box--purple\">\n    \n    <div class=\"block-info-box__body\">\n                    <h3 class=\"block-info-box__title\">Long COVID vs. Post COVID<\/h3>\n                                    <div class=\"block-info-box__text\">\n                <p>Long COVID umfasst Symptome, die vier bis zw\u00f6lf Wochen nach einer akuten COVID-19-Erkrankung weiterbestehen, wiederkehren oder neu auftreten. Besteht die Symptomatik nach zw\u00f6lf Wochen weiterhin fort, wird aus Long COVID Post COVID. Die Symptome k\u00f6nnen mit der Zeit abklingen oder sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Long bzw. Post COVID ist ein m\u00f6glicher Ausl\u00f6ser f\u00fcr ME\/CFS.<\/p>\n            <\/div>\n            <\/div>\n<\/aside>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Politischer Druck und neue Forschungsinitiativen\u00a0<\/h2>\n\n\n<figure class=\"pixel-quote pixel-quote--tail-left pixel-quote--purple\">\n    \n    <div class=\"pixel-quote__bubble\">\n        <blockquote class=\"pixel-quote__text\">\n            <p>\u201cSeit Corona h\u00f6rt man immer \u00f6fter davon, aber ME\/CFS ist schon seit 1969 als  Krankheit bekannt und wurde kaum erforscht\u201c<\/p>\n        <\/blockquote>\n                    <figcaption class=\"pixel-quote__author\">Birthe Kolb<\/figcaption>\n            <\/div>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kolb verdeutlicht, dass erst durch den Druck von Patientenorganisationen und der zunehmenden allgemeinen Aufmerksamkeit durch&nbsp; COVID-19 die Politik begonnen hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. So rief beispielsweise das Bundesministerium f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt im Januar diesen Jahres die Nationale Dekade gegen Postinfekti\u00f6se Erkrankungen aus. Durch diese Initiative sollen Ursachen und Mechanismen von postinfekti\u00f6sen Krankheiten wie ME\/CFS besser erforscht werden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n<aside class=\"block-info-box block-info-box--purple block-info-box--has-photo block-info-box--photo-left\">\n            <figure class=\"block-info-box__photo\">\n            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/birthe-kolb-198x300.png\"\n                 alt=\"\">\n        <\/figure>\n    \n    <div class=\"block-info-box__body\">\n                    <h3 class=\"block-info-box__title\">Birthe Kolb<\/h3>\n                            <p class=\"block-info-box__role\">Bild: PicturePeople Essen<\/p>\n                            <div class=\"block-info-box__text\">\n                <p>Sprecherin der deutschen Gesellschaft f\u00fcr ME\/CFS. In ihrer Funktion kl\u00e4rt sie \u00fcber die schwere Erkrankung auf und setzt sich gegen <span data-teams=\"true\">weitverbreitete<\/span> Fehlannahmen im Umgang mit Betroffenen ein.<\/p>\n            <\/div>\n            <\/div>\n<\/aside>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fehlbehandlungen durch mangelnde Differenzierung<\/strong>&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sich sowohl \u00c4rzt*innen als auch Politiker*innen zu wenig mit dem Thema auseinandersetzen, entstehen sp\u00fcrbare Nachteile f\u00fcr Betroffene. Diese informieren sich dann meist selbst, weil die \u00c4rzt*innen zu wenig wissen. Birthe Kolb h\u00f6rt von Erkrankten immer die gleichen Ratschl\u00e4ge durch \u00c4rzt*innen, die beispielsweise k\u00f6rperlich anspruchsvolle Trainingstherapien empfehlen. \u201eME\/CFS ist kein Ersch\u00f6pfungszustand, aus dem man sich selbst wieder heraustrainieren kann\u201c, betont sie. Wichtig sei ihr au\u00dferdem, dass das chronische Fatigue Syndrom mit der Abk\u00fcrzung \u201eCFS\u201c in \u201eME\/CFS\u201c irref\u00fchrend sei. Kolb erkl\u00e4rt, dass die Fatigue nicht das Kernsymptom der Krankheit sei. Diese Falschinformation f\u00fchre auch zu falschen Behandlungsans\u00e4tzen. Empfohlene Therapien, wie k\u00f6rperliches Training, f\u00fchren \u201eoft zu einer anhaltenden Zustandsverschlechterung\u201c, erkl\u00e4rt Kolb. \u00c4rzt*innen w\u00fcrden bei Krankheitsbildern h\u00e4ufig zu wenig differenzieren.<\/p>\n\n\n<figure class=\"pixel-quote pixel-quote--tail-left pixel-quote--purple\">\n    \n    <div class=\"pixel-quote__bubble\">\n        <blockquote class=\"pixel-quote__text\">\n            <p>\u201ePsychische Erkrankungen sind auch schwerwiegend, aber ME\/CFS ist fundamental etwas ganz anderes \u2013 das in einen Topf zu werfen, ist f\u00fcr beide Seiten nicht hilfreich.\u201c <\/p>\n        <\/blockquote>\n                    <figcaption class=\"pixel-quote__author\">Birthe Kolb<\/figcaption>\n            <\/div>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christine Blome erlebt \u00c4hnliches in ihrem Arbeitsalltag. \u201eBei ME\/CFS-Erkrankten sind Motivation und Willensst\u00e4rke stark vorhanden.\u201c\u00a0 Blome sieht ein deutliches Defizit in der Diagnostik von ME\/CFS.\u00a0 Sie erkl\u00e4rt, dass der Kern der Krankheit PEM \u2013 oder auch Crash genannt \u2013 ist. Das typische Krankheitsbild von Post-Exertionelle Malaise (PEM) ist dauerhafte Ersch\u00f6pfung. \u201eMan wird f\u00fcr jede Anstrengung, f\u00fcr jede kleinste Belastung, bestraft.\u201c Die Forscherin berichtet, dass viele Erkrankte von \u00c4rzt*innen gesagt bek\u00e4men, dass sie nur aktiver werden m\u00fcssten, k\u00e4mpfen m\u00fcssten. \u201eDa wird ihnen eine Art Charakterschw\u00e4che oder eine Willensst\u00e4rke unterstellt und tats\u00e4chlich ist genau umgekehrt das Problem. Es ist ganz typisch, dass die Betroffenen sagen: \u201aIch will unbedingt mein normales Leben zur\u00fcck.\u2018\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1746\" height=\"2560\" src=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-371\" style=\"aspect-ratio:0.6820285639899527;width:408px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1.jpg 1746w, https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1-205x300.jpg 205w, https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1-698x1024.jpg 698w, https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1-768x1126.jpg 768w, https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1-1048x1536.jpg 1048w, https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fotocredits_Lea_Aring_und_Deutsche_Gesellschaft_fuer_ME-CFS_10-scaled-1-1397x2048.jpg 1397w\" sizes=\"auto, (max-width: 1746px) 100vw, 1746px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-071fb5f48917b984cab0f41fd7e48dbc wp-block-paragraph\">Betroffenen hilft es, mit Schlafmaske und Kopfh\u00f6rern im Bett zu liegen, um die Symptome von ME\/CFS, wie extreme M\u00fcdigkeit und Schlafst\u00f6rungen, zu lindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-muted-color has-text-color has-link-color wp-elements-7c743cd16e7804b6611a763482f0b19c wp-block-paragraph\">Foto: Andibreit<\/p>\n\n\n<aside class=\"block-info-box block-info-box--purple\">\n    \n    <div class=\"block-info-box__body\">\n                    <h3 class=\"block-info-box__title\">Was ist PEM?<\/h3>\n                                    <div class=\"block-info-box__text\">\n                <p>Post-Exertionelle Malaise \u201ePEM\u201c, manchmal auch \u201eCrash\u201c genannt, beschreibt eine unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Verschlechterung der Symptomatik ME\/CFS-Erkrankter nach k\u00f6rperlicher, kognitiver oder mentaler Anstrengung. PEM ist das Kernsymptom von ME\/CFS.<\/p>\n            <\/div>\n            <\/div>\n<\/aside>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bildungsl\u00fccken im Medizinsystem und fehlende Biomarker<\/strong>&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Birthe Kolb erkl\u00e4rt, warum ME\/CFS so h\u00e4ufig unter- und fehldiagnostiziert wird. \u201e\u00c4rzt*innen k\u00f6nnen ihre Ausbildung absolviert haben, ohne jemals von ME\/CFS geh\u00f6rt zu haben.\u201c Auch Blome sieht die Bildungsl\u00fccke als fundamentales Problem: \u201eDie wichtigsten Inhalte k\u00f6nnen in 30 Minuten vermittelt werden, aber es wird trotzdem im Medizinstudium kaum unterrichtet.\u201c Das liege vor allem daran, dass die Krankheit nicht im Curriculum stehe. Der Landtag NRW formuliert das Problem in einer Stellungnahme wie folgt: \u201eME\/CFS hat derzeit keinen Stellenwert in der medizinischen Ausbildung von \u00c4rzten, Pflegekr\u00e4ften und Gutachtern des medizinischen Dienstes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fehldiagnosen h\u00e4ngen ebenso mit dem Gesundheitssystem zusammen. Durch die unzureichende Forschung zu dieser Krankheit gibt es keine Biomarker, anhand derer \u00c4rzt*innen die Krankheit erkennen und diagnostizieren k\u00f6nnen. Biomarker sind messbare Indikatoren f\u00fcr biologische Prozesse. An diesen wird erst jetzt geforscht. Blome empfindet den Fortschritt als gut, kritisiert jedoch scharf, warum die notwendige Forschung nicht schon viel fr\u00fcher eingeleitet wurde. Laut der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr ME\/CFS habe es vor der Pandemie ca. 250.000 ME\/CFS-Betroffene gegeben. Nach der COVID-19-Pandemie sei die Zahl auf etwa 500.000 angestiegen. Durch die fehlende Expertise der \u00c4rzt*innen sind \u201eBetroffene oft notgedrungen besser informiert als \u00c4rzte\u201c, erz\u00e4hlt Blome. \u201eWenn man einfach die Erkrankten ernst nimmt, die ja oft \u00fcber ME\/CFS einfach viel besser belesen sind, weil sie sich auf diese eine Erkrankung fokussieren k\u00f6nnen, w\u00fcrden alle profitieren.\u201c&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Projekt StiMECO m\u00f6chte unter anderem bis 2027 konkrete Handlungsempfehlungen f\u00fcr den Umgang mit Betroffenen liefern. Das langfristige Ziel der Forschenden ist es, durch die wissenschaftlichen Daten Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten, um so die Stigmatisierung in der medizinischen Versorgung abzubauen und die Lebensqualit\u00e4t der Betroffenen zu verbessern. Christine Blome ist sehr dankbar f\u00fcr die Kraft und Zeit, die ihr Betroffene trotz der Einschr\u00e4nkung durch die Krankheit schenken.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n<aside class=\"format-links format-links--purple\">\n            <h3 class=\"format-links__title\">Das k\u00f6nnte dich auch noch interessieren<\/h3>\n    \n    <div class=\"format-links__grid\">\n                    <a class=\"format-links__item\" href=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/podcasts\/die-unsichtbare-krankheit\/\">\n                                    <img decoding=\"async\" class=\"format-links__item__image\"\n                         src=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Podcast-58-300x300.jpg\" alt=\"Der Eineinst Podcast - H\u00f6r mal anders: Die Unsichtbare Krankheit\">\n                                <span class=\"format-links__item__text\">\n                                            <span class=\"format-links__item__kind\">Podcast<\/span>\n                                        Der Eineinst Podcast &#8211; H\u00f6r mal anders: Die Unsichtbare Krankheit                <\/span>\n            <\/a>\n                        <a class=\"format-links__item\" href=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/videos\/unsichtbar-krank\/\">\n                                    <img decoding=\"async\" class=\"format-links__item__image\"\n                         src=\"https:\/\/einsteins.ku.de\/2026\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Schicksalsschlaege-Thumbnail-Einsteins-2026-300x169.jpg\" alt=\"TV Beitrag: Unsichtbar Krank\">\n                                <span class=\"format-links__item__text\">\n                                            <span class=\"format-links__item__kind\">Video<\/span>\n                                        TV Beitrag: Unsichtbar Krank                <\/span>\n            <\/a>\n                <\/div>\n<\/aside>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwere Ersch\u00f6pfung, Reizempfindlichkeit und teilweise auch absolute Bettl\u00e4gerigkeit: Die Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis\/\u201eChronisches Fatigue-Syndrom\u201c (ME\/CFS) \u00e4u\u00dfert sich durch schwer lebenseinschr\u00e4nkende Symptome. Betroffene k\u00e4mpfen neben den k\u00f6rperlichen Symptomen oft mit Vorurteilen in der Gesellschaft und im Medizinsystem. Um diese Stigmatisierung zu erforschen, hat die Versorgungswissenschaftlerin Christine Blome das Hamburger Forschungsprojekt StiMECO im Jahr 2024 ins Leben gerufen. 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