Weiter über die Rue du Renard in Richtung Seine. Links: Rue de la Verrerie. Der Name bedeutet Glaserei und weist auf die Vielfalt an kleinen Handwerksbetrieben hin, von der nur noch Reste vorhanden sind. In dieser Straße, aber auch in den Parallelstraßen Rue Ste.Croix de la Bretonnerie, sowie der Rue des Blancs Manteaux, ist ein großer Teil der Pariser
SCHWULENSZENE zu Hause. Die meisten schwulen Kneipen und Nachtclubs sind auch für Heteros zugänglich. Die Restaurants und speziellen Läden stehen ohnehin jedem offen. Nur für Männer ist die "Quetzal Bar" in der Rue de la Verrerie, Hausnummer 10: Die wohl drastischste Anmachkneipe der Stadt. Als Hetero hält man es dort nur Minuten aus.
Die Schwulenszene hat eindeutig Farbe ins Marais gebracht. Andererseits sind die alteingesessenen Bewohner über dieses neue Image ihres Viertels nicht glücklich. Ihre Proteste führen immer wieder zu Schließungen von Lokalen und lautstarken Konflikten.
STADTSGEWALT
Wem das alles zu schwul ist, der biegt nicht ab in die Rue de la Verrerie, sonder geht ein paar Schritte weiter gerade aus. Der Blick aufs Rathaus, frz.: HOTEL DE VILLE wird frei.
Das Renaissance-Gebäude wird in der Nacht prächtig angestrahlt. Und spätestens dann wirkt es wie aus einer Walt Disney-Produktion. Über viele Jahre hat Jaques Chirac hier seinen Arbeitsplatz gehabt -- als Bürgermeister von Paris.
Das heutige Rathaus wurde 1874-1882 erbaut. Zuvor war der Vorgängerbau am 24. Mai 1871 von der Pariser Kommune in Brand gesteckt worden. In Anlehnung an das alte Rathaus sind auch die neuen Fassaden im Renaissance-Stil ausgeführt.
Auf dem Platz davor, der Place de l'Hotel de Ville, wurden die regulären Hinrichtungen vorgenommen (bis 1830). Wegen seiner Lage hieß der Platz immer auch Place de Greve (Strandplatz). Hier versammelten sich die Pariser des öfteren, um zu protestieren oder den Aufstand zu proben. Deshalb heißt Streik auf französisch bis heute Greve.