PARIS. An jeder Straßenecke muß man neue Entscheidungen treffen. Oder dumm herum laufen. Oder beides. Weil unendlich viele Spazierwege durch Paris führen, wird hier nur einer beschrieben: Ein ganz persönlicher Weg durch den Schlamm.
Soll so aussehen: Beginnend am frühen Nachmittag (viel früher ist diese Stadt unangemessen). Auf Wunsch Kultur, Kunst oder Architektur (im Centre Pompidou). Vielleicht auch essen (siehe Essen und Trinken). Dann bescheidenen Voyeurismus pflegen (Schwulenszene). Oder politisch korrekt umherschauen (Judenviertel). Vielleicht lieber essen/ Kaffee trinken?(Sowieso, überall und jederzeit). Einkaufen in kleinen Läden. Augen weiden in kleinen Galerien. Ausruhen im Park (Place des Vosges). Unterwegs verschiedene Eindrücke sammeln. Abend werden lassen. Eventuell etwas essen. Bestimmt etwas trinken. Dann feiern. (Alles im Bastille-Viertel zu haben). Das alles, nach Verlassen des Centre Pompidou, ohne die üblichen Legionen von Touristen.
Der MARAIS (frz.: Morast): Ehemalige Sumpflandschaft, im 13. Jahrhundert von Angehörigen des Templerordens trockengelegt. Damals in Randlage, heute im Herzen der Stadt. Die Straßen sind eng. Hier passen keine Reisebusse hinein, und keine Stadtrundfahrt führt hindurch. Nie ist der Marais protzig oder monumental, sondern eher bescheiden und gemütlich.
Begrenzt wird das Viertel vom Boulevard du Temple im Norden, dem Boulevard Beaumarchais im Osten, der Seine im Süden und der Rue du Temple im Westen.
Immer noch ist der Marais ein Sumpf: Von wechselnden Strömungen angeschwemmt, in den Gassen hängengeblieben, haben sich verschiedenste Schwebstoffe abgesetzt: Ordensleute, Royalisten, jüdische Emigranten, Romantiker, Literaten und Homosexuelle.